Designfliesen für ein Loft im Flugzeughangar auf dem GRUS-GRUS-Revier 

Mig-21-Shelter wird mit Lehmfliesen zu gesundem und innovativem Loft umgestaltet

Der Ausbau eines Flugzeughangars zu einem Loft als neues Zuhause ist an sich keine aus dem Rahmen fallende Idee, auch wenn sie nicht jeder hat. Viele Menschen haben im Laufe der Geschichte ungewöhnliche Dinge umfunktioniert, um darin zu wohnen. Anspruchsvolle Lofts entstanden schon in ausgedienten Zementfabriken, Zisternen, Bunkern oder Kirchen. Oder man denke nur an Huckleberry Finn, der gleichnamigen Figur aus Mark Twains gleichnamigen Roman, der am Ufer des Mississippi in einer alten Regentonne schlief. 

Auch der Ausbau eines Flugzeughangars ist nicht neu. Allerdings gab es bisher noch nie den Versuch, eine Flugzeug-Garage mithilfe innovativer Lehmprodukte zu einem Loft auszubauen, das auch tatsächlich diesen Namen verdient.     

 

 

Ökologische Fliesen im Loft

Wechselnde Lichtstimmungen

Anbau auf der Rückseite des Hangars 

 

Besucher bestaunen im Loft die Designfliesen. Die innovative Lehmfliesen für nachhaltiges Bauen werden ökologisch produziert, sind energiesparend und sorgen für ein gesundes Raumklima. Durch Kubatur, Mauerdicke und Erdschichten sinkt die Temperatur in den Flugzeugsheltern – auch ohne Isolation – nicht unter 14°C. 

Intarsie aus Rauten im Wabenmuster 

Rautenförmige Fliesen aus Lehm

weiße Sechseckfliesen

 

rötliche Designerfliesen in rot

mehrfarbige Rhomben und Tomette

Ziegelfliesen als Quadrat und Rechteck

Der frühere Flugplatz und die Garagen für moderne Kampfjets   

Unter Hitler wurden die ersten Raketenflugzeuge entwickelt 

Im Frühjahr 1937 zog ein 25-köpfiges Team um Wernher von Braun, dem berühmten deutschen Luftfahrtingenieur, der unter anderem die V2-Rakete für das Hitler-Regime mitentwickelte und später in den USA den Weg für die ersten Raumfahrt-Missionen vorbereitete, nach Neuhardenberg, um hier erstmals Düsenantriebe für Flugzeuge zu testen. Bis auf eine behelfsmäßige Landebahn gab es nichts an diesem Ort, Flugzeuge mussten in Zelten geparkt werden. Während des Krieges wurde das geheime Gelände immer mehr ausgebaut und diente als Militär-Basis, die später auch von der Nationalen Volksarmee weiterbetrieben wurde. 

 

 

MIG 21 Sigmund Jähn – der erste Deutsche im All – flog hier beim Jagdfluggeschwader 8 eine MIG 21.

Sängerin Jadu auf dem Trittbrett eines URALs in einem nicht ausgebauten Flugzeug-Hangar.



Nach Gründung des Warschauer Paktes 1955 wurde auch die Luftstreitkräfte der DDR mit dem neuen sowjetischen Überschallflugzeug MiG-21, bekannt unter dem NATO-Codenamen Fishbed, bestückt. Für das meistgebaute Kampfflugzeug der Welt mussten in unmittelbarer Nähe zur Landebahn in Neuhardenberg (damals Marxwalde) zwölf Unterstellmöglichkeiten oder Bogendeckungen – so der Ausdruck im ostdeutschen Sprachgebrauch – geschaffen werden.


Die Küche mit verschiedenen Lehmfliesen bietet einen fast unwirklichen Blick in die malerische Natur.   

 

Rundbogen-Loft paart sich mit Fliesen aus gebranntem Lehm 

Ein neues Zuhause im Einklang mit der Natur

Da die meisten Flugplätze, vor allem die geheimen und militärischen Zwecken dienenden, jenseits der Zivilisation erbaut wurden (und werden), bieten sie nach ihrer Stilllegung die ideale Grundlage, um Träume von alternativem Wohnen im Einklang mit der Natur zu verwirklichen. In Neuhardenberg, umrahmt von Wald, der Oder und zwei Naturschutzgebieten, ist der inzwischen umfunktionierte Flugplatz zwar weiter in Betrieb, aber die nebenseitige Rollbahn mit ihren zwölf Unterstellplätzen wird seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr gebraucht und ausschließlich für zivile Zwecke genutzt – die so genannte Konversion war bereits vollzogen. 



Der Hangar ist eine freitragende Halle aus armierten, verschraubten Betonbauelementen, wie sie auch vielfach in der berühmten Moskauer Metro mit dem größten Streckennetz der Welt verbaut worden sind. Er ist 20 Meter lang, elf Meter breit und hat eine Höhe von 5,30 m. Da Strom, Gas und Wasser bereits anlagen, mussten nur noch die Fenster eingebaut, eine Empore zur besseren Raumausnutzung angelegt und jeweils ein Sanitär-und Küchenbereich geschaffen werden.   

 

 

 

 

Schulklassen erfahren in der Minifactory der Firma handgeformt alles Wissenwerte über Lehm.

Die Kreationen der jungen Künstler aus Ton und Lehm werden Vorort gebrannt.

Karsten Blättermann führt Besucher durch die Manufaktur

Ein Büroraum der Firma handgeformt mit Bodenfliesen aus Lehm.

Interflug Gangway
Kunstvoll gestaltete Hängesitze 
Sommer im Grus grus Revier

 

Als logische Konsequenz der Idee von einem gesunden Leben in der Natur wollten die Bewohner natürlich auch innerhalb ihres umgebauten Lofts ein gesundes Raumklima schaffen und sich dafür der positiven Klimaeigenschaften von Lehm bedienen und zugleich die Grenzen und Möglichkeiten dieses natürlichen Materials auszuloten. Also wurden Fliesen, Platten und Steine sowie Raumelemente in den verschiedensten Formen, Farben und Größen mit unterschiedlichster Oberflächen- und Kantenstruktur konzipiert und auf ihre Eignung für den Alltagsgebrauch einerseits und besondere Anforderungen andererseits getestet, bevor sie dann auch tatsächlich hergestellt und verlegt wurden.

Zentraler Weg als Raumgestaltung durch die verglaste Front des ausgebauten Flugzeug-Hangars

Aus dem ehemaligen Flugzeughangar ist ein stylisches Loft entstanden – bedeckt mit den verschiedensten, von Hand geformten Lehmfliesen. 

 

12 Hangar und Nebengebäude stehen auf dem Grus grus Revier 

 


 

 

Bad im Loft mit handgeformten Designerfliesen

Wannenumrandung passend zu Wand und Boden

 Spiegel beleuchtet Lehmfliesen

Eingepasste Amaturen

 

Im Loft wurden unterschiedlichste Boden- und Wandfliesen verbaut: Hier die „Fischschuppe“ oder „Fächer“.

spanische Wand aus Lehmfliesen

„Grus Grus“ ist die lateinische Bezeichnung für „Kranich“


Lehmfliesen in verschiedenen Blautönen

Flugzeug-Hangar: Das GRUS-GRUS-Revier ist eine Ansiedlung von Künstlern und Gewerbetreibenden an dem alten, geheimen Flugplatz Neuhardenberg in Brandenburg. Mit der Gründung der DDR wurde der Ort in Marxwalde umbenannt, der in den 30er Jahren vom Reichsluftfahrtministerium (RLM) unter Hermann Göring etablierte Flugplatz von der NVA weiter ausgebaut und weiterhin für Tests genutzt. Sowohl die DDR-Regierung unter Erich Honecker als auch alle Bundesregierungen haben ihn wegen seiner Nähe zur Hauptstadt Berlin genutzt. Wenige hundert Meter vom Flugplatz befindet sich das Schloss Neuhardenberg, das als Gästehaus und Verhandlungsort dient.

Aufgabenstellung: Um- und Ausbau von ehemaligen Flugzeughangars zu Wohn- und Gewerbeeinheiten.

Arbeitsschritte: Bestandsaufnahme, Gutachten, Planung, Herstellung  Verlegung durch eigenes Handwerker-Team

Fläche und Material: 400 m² Lehmfliesen in unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen für unterschiedlichste Anforderungen.

Dauer: Je sechs Wochen für Planung, Produktion, Verlegung und Trocknung